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Kirchenbeschreibung -Baugeschichte-

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Baugeschichte

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Die Baugeschichte unserer St. Laurentius-Pfarrkirche ...
(aus: St. Laurentius-Bote 12. Jahrgang Nr. 31 2/2010)

... ist eine fast unendliche Geschichte. Aus dem Archiv unserer Pfarrei und dem aktuellen Kirchenführer haben wir eine hoffentlich kurze, kurzweilige und interessante Zusammenstellung geschaffen, die sicherlich fortgesetzt werden kann.

Mit der Erhebung Ahrweilers zur Stadt und dem Bau einer Stadtmauer steht der Neubau einer Kirche in engem Zusammenhang. Güter der Abtei Prüm lagen innerhalb der Stadtmauer und somit wurde auf eigenem Grund und Boden die Kirche erbaut.

Das Chartular (=Urkundensammlung) der Abtei Prüm, nach seinem goldenen Einband „liber aureus“ genannt, enthält als Anhang eine Liste der Prümer Abtsnamen. Darunter an 33. Stelle Joffredus, bei dem als einzigem ein Zusatz zum Namen gemacht ist:

ABBAS IOFFRIDVS SACRAS FACIT ARVVILER EDES
(Abt Gottfried weiht das Ahrweiler Gotteshaus)
Das Chronogramm ergibt die Zahl 1269. Eine heute nicht mehr vorhandene Inschrift an einer Säule des Mittelschiffes lautete: ECCLESIA ARAPOLITANA EXSTRUCTA 1269.

Servatius Otler, Chronist der Abtei Prüm und später Pfarrer von Ahrweiler, schreibt 1623, dass die Kirche (1269) „errichtet, verbessert und dotiert“ wurde. Heinrich Brand, Konventuale (=sitz- und stimmberechtigtes Mitglied) der Abtei Prüm, betont 1628 ausdrücklich, dass die Kirche von Grund auf errichtet worden ist. Folglich muss an der gleichen Stelle vorher eine Kirche gestanden haben. Jedoch sind keine Bruchstücke eines Fundamentes eines früheren Kirchenbaus gefunden worden, so dass die genaue Lage und Größe der ersten Kirche(n) nicht feststellbar ist.

In Ahrweiler erhielt das Rheinland nunmehr seine erste Hallenkirche - der Erbauer der Kirche war der oben erwähnte Abt Gottfried von Prüm – und die Steine für den Bau stammten aus den Steinbrüchen der benachbarten Grafschaft, von Dettelforst, von Olbrück und Weibern.

Die neue Kirche stellt sich zu den damals herrschenden Baugewohnheiten des Kölner Bereichs in mancher Beziehung in Gegensatz. Dass das Mittelschiff nicht über die Seitenschiffe herausragt und dass die Kirche nicht als Basilika, sondern als Hallenkirche errichtet ist, musste weithin Aufsehen erregen. So wie die Westfalen seit der Mitte des 12. Jahrhunderts allmählich der Hallenkirche den Vorzug gaben, hatte, mit derselben Entschiedenheit, das Rheinland die Basilika bevorzugt. Der Ahrweiler Bau suchte zwischen den Grundsätzen der bisherigen rheinischen Gotik und der deutschen Sondergotik zu vermitteln. Er fand diese, indem er die früher üblich gewesenen Emporen wieder aufnahm. Die Emporen bewirken, dass der Raum in Einheitlichkeit und Größe des Hallenbaues doch wieder die Wirkung der Basilika verbindet. Auch auf die Lichtverteilung übt diese Bauweise eine entscheidende Wirkung aus: während sonst in der Hallenkirche das Licht gleichmäßig den ganzen Raum erfüllt, liegen in Ahrweiler, dank der Emporen, die Seitenschiffe in verdämmertem Schatten. Die Choranlage der Ahrweiler Pfarrkirche ist eine weitere Besonderheit. Ihr Grundriss besteht darin, dass die Nebenchöre nicht, wie sonst fast immer, gradlinige Verlängerungen der Seitenschiffe bilden, sondern die Achsen der Chor-Seitenschiffe weichen um 45° von der Hauptachse ab; sie sind also schräg angesetzt und bilden ein Achteck mit 5/8 Schluss.

Ihre Westfassade mit dem aus dem Unterbau unvermittelt herauswachsenden Turm verzichtet auf die strenge Logik des Aufbaues, die unter dem Einfluss des Kölner Dombaues die anderen rheinischen Kirchen der Zeit befolgten. Der Turm selbst, ein Oktogon mit Giebelkranz, darüber eine niedrige Spitze, wirkt in seiner Ähnlichkeit mit Bauten des 12. Jahrhunderts als Rückgriff auf sonst aufgegebene Formen.

Von Robert Bous und Renate Steffes  -

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Stand: 04.03.15